Teil 1: Meine Capsule Wardrobe und das Nähen

Teil 1: Meine Capsule Wardrobe und das Nähen

Vor vier Jahren habe ich meinen Kleiderschrank hier auf dem Blog ziemlich durchleuchtet. Ich habe mich sehr mit meiner Körperform und meinen Farben auseinander gesetzt und viele Faktoren für meine perfekte Garderobe erarbeitet. Die ganzen Beiträge dazu findet ihr unter dem Register “Meine perfekte Garderobe”:
Teil 1: Grundlagen
Teil 2: Oberteile
Teil 3: Unterteile
Teil 4: Kleider
Teil 5: Jacken
Teil 6: Mützen, Schals & Co
Teil 7: Schuhe
Teil 8: Schmuck
Teil 9: Resultat

Mein Leben ging inzwischen weiter und sowohl mein Wohnort hat sich seitdem zweimal noch verändert, als auch meine Lieblingsfarben. Außerdem konnte ich einige Dinge auftragen/loslassen und durch andere ersetzen oder auch ganz weglassen. So wie meine Garderobe jetzt ist, habe ich sie mir vor etwa zwei Jahren schon vorgestellt gehabt. Ich bin wirklich zufrieden.

Ich habe aber gerade festgestellt, dass ich (bis auf Schmuck) extrem vieles von vor vier Jahren (bzw natürlich waren die meisten Sachen wesentlich älter) nicht mehr habe. Übrig von damals sind nur noch 4 Oberteile, 2 Röcke, 2 Cardgians, 1 Paar Schuhe, 2 Mützen, 5 Schals und ein paar Handschuhe. Davor gabs fast nie einen Wechsel und nun ist innerhalb von vier Jahren fast mein kompletter Schrank ausgewechselt. Total unbeabsichtigt. Aber ich habe wohl viele aufgetragen (so viele Löcher und fadenscheinige Stellen konnte ich nicht mehr flicken), habe zugenommen (fast keine Oberteile von damals passen noch) und habe meinen Stil doch ein bisschen weiterentwickelt. Und das ist gut so.

Nun möchte ich seit vier Wochen hier meine Vorhaben 2021 bloggen, aber irgendwie habe ich ein Dilemma: soll ich nähen, was an Material da ist (Stichwort: Stoffabbau) oder soll ich nähen, was meine Capsule Wardrobe noch benötigt, damit es nicht zu viel wird und wieder schlecht kombinierbare Teile hineinkommen?

Was benötige ich in meiner Capsule Wardrobe noch?

Hast du dich das auch schon gefragt?

Grundlage hierfür ist, dass du nur Lieblingsteile in deinem Schrank hast. Das Ausmisten muss also vorher passiert sein.

Nun räumst du einmal alle Kleidungsstücke komplett aus dem Schrank (zeitlich so lösen, dass auch nix in der Wäsche ist *zwinker*) und legst und sortierst du alles auf eine leere, saubere Bodenfläche:

Meine aktuelle Capsule Wardrobe Winter

Die erste Unterteilung ist noch einfach:

  • Oberteile / Unterteile

Die nächsten Kategorien legst du fest:

  • Jahreszeit (Sommer / Winter)
  • Länge (Ärmellänge oder Beinlänge oder Rocklänge)
  • Dicke des Materials
  • Stilrichtungen
  • Kleidungsart
  • Gemustert / Ungemustert
  • Mag ich /mag ich nicht (dann gleich weg damit! Was du damit machen kannst, habe ich hier aufgelistet)
  • Kleidungsart (Hosen /Röcke / Kleider / T-Shirts /ect.)

Dann werden die Kombipartner gesucht.

-> Hierfür legst du dir deinen Schwerpunkt fest: Oberteile oder Unterteile?
Ich habe meine Eyecatcher bei den Unterteilen, hier ist die meiste Variation und Mustervielfalt in meinem Kleiderschrank. So stehen bei mir meine Unterteile im Mittelpunkt (Stiltechnisch auch sinnvoll, da ich so von meiner “Problemzone Bauch” ablenke).

Nun hast du deine Kleidung auf zwei Seiten und nimmst von deiner Schwerpunktseite immer eins und legst es in die Mitte. Dazu legst du nun alle passenden Teile der anderen Rubrik und lässt liegen, was gut dazu passt. Alles was auf den ersten Blick nicht passt, legst du auf einen weiteren Stapel. Bist du mit allen Teilen der anderen Rubrik durch, kannst du dir überlegen, ob du die neuen Kombinationen alle einmal anprobierst, diese im Spiegel betrachtest und/oder ein Foto angezogen damit machst. Ich habe alle Oberteile zu den Unterteilen gelegt und wusste, dass meine Oberteilschnitte ziemlich identisch sind, sodass ich nicht alles probetragen muss.

Kombisuche für den Thairock

Diesen Prozess machst du nun mit allen Teilen deiner Schwerpunktkategrie. Am Ende hast du eine ganz tolle Sammlung.

Meine aktuelle Capsule Wardrobe Winterkombis: selbstgenäht sind: Tulpenrock,Thairock,Trachtenrock, Leinenlatzhose, Wollrock, Leinenhose, Wollhose

Diese Fotos kannst du dir als Collage an den Schrank hängen und hast somit auch für den Alltag eine Hilfe, um dir die ganzen tollen Kombinationsmöglichkeiten vor Auge zu führen. Denn dzu kennst das gewiss auch, dass man im Alltag immer zur selben Kombination greift, oder? Der Rock immer mit diesem einen Oberteil und diesem einen Cardigan?

So manche neue Kombis habe ich dabei entdeckt.
Ich habe meine Oberteile noch in Winter und Sommer aufgeteilt: die drei Pullis und die Langarmshirts zum Winter (bis auf eine Ausnahme) und die kurzärmeligen T-Shirts zum Sommer (bis auf eine Ausnahme). Einige Farben hab ich sowohl in kurz – als auch in langarm. Fast alle Oberteile sind von Maas Natur. Der Schnitt steht mir und sie sind biologisch und fair.
Generell hab ich immer alles im Schrank, denn im Winter brauche ich für ne Party oder zum Drunterziehen ein T-Shirt und im Sommer trage ich natürlich auch ab und an ein Langarmshirt.
In der Übergangszeit trage ich alles gemischt, da wird auch das Kleid oder der Sommerrock mit Strumpfhose getragen.

Meine aktuelle Capsule Wardrobe Sommerkombis, davon selbst genäht: Kleid, Latzhose, Thairock, Tulpenrock, Trachtenrock, langer Rock, Leinenhose

Welche meiner Kombi(s) gefallen dir am besten?
Ohne Cardigans gerechnet habe ich in der Wintercapsule (24 Teile) 62 gute Kombis und in der Sommercapsule (27 Teile) 85 gute Kombis. Natürlich sind einige von Winter/Sommer farblich deckungsgleich. Dafür kann ich natürlich mit Cardigans (oder gar Schals/Tücher) noch mehr variieren.
Insgesamt sind das 38 Teile für das ganze Jahr (ohne Jacken, Schuhe, Tücher, ect.). Zu den anderen Bestandteile der Garderobe komme ich in den nächsten Capsule Wardrobe Teilen:
Im Teil 2: Meine Winter Capsule Wardrobe werde ich meine Winterkleidungsstücke und Accessories für die kalte Jahreszeit durchgehen.
Im Teil 3: Meine Sommer Capsule Wardrobe kommen dann meine Sommerkleidungsstücke bzw die Accessories für die heiße Jahreszeit.
Im Teil 4: Meine ganzjahres Capsule Wardrobe beleuchte ich die Alljahrestauglichkeit meiner einzelnen Kleidungsstücke und zeige euch ein paar Tricks.
Im Teil 5: Meine Sport Capsule Wardrobe kommt der Bereich Freizeit (besonders mit dem Schwerpunkt Wandern) in den Fokus.

Meine aktuelle Capsule Wardrobe Sommer

Zurück zu meinem Dilemma: soll ich nähen, was an Material da ist (Stichwort: Stoffabbau) oder soll ich nähen, was meine Capsule Wardrobe noch benötigt, damit es nicht zu viel wird und wieder schlecht kombinierbare Teile hineinkommen?
  1. Besteht ein Mangel? Vermisst du eine Kleidungsform oder musst du ständig waschen, damit das Teil im Lieblingsschnitt schnell wieder tragbar ist?
  2. Schaue dir deine Kombibilder durch: zu welchem Schwerpunktteil hast du kaum Kombinationspartner?
  3. An was liegt das?
  4. Ist das für dich in Ordnung, dass du z.B. zu diesem Rock nur zwei passende Oberteile hast, oder möchtest du das ändern?
  5. Welcher Schnitt sollte der Kombinationspartner haben, sodass er auch mit anderen einsamen Schwerpunktteilen kombinierbar ist?
  6. Welche Farbe(n) sollte der Kombinationspartner haben, sodass er auch mit anderen einsamen Schwerpunktteilen kombinierbar ist?
  7. Bestimme nach dem Schnitt und den Farben die Anzahl an nötigen Kleidungsstücken dieser Art.
  8. Suche dir das passende Schnittmuster raus.
  9. Suche in deinem Stoffvorrat, ob du den passenden Stoff in der richtigen Menge oder Farbe hast und falls nicht, beschaffe dir diesen Stoff (z.B. Stofftausch, Stoff umfärben, Stoffläden, online Stoffläden ect.)
  10. Nähe deine fehlenden Kleidungsstücke zeitnah (hahaha), kombiniere sie mit Freude und verschenk deine ganzen unnötigen Stoffe oder benähe andere damit

Meine Antworten:

  1. Mangel besteht bei Strumpfhosen/Leggings, kurze Hosen, Oberteile geht meistens, aber leider kann ich zu manchen Sachen nur wenig tragen und wasch tatsächlich deswegen schneller, damit ich diesen Rock wieder ausführen kann.
  2. Meine drei Trachtenröcke und die Latzhose haben kaum Kombinationspartner
  3. Die Röcke sind wohl mehrfarbig, aber finde mal die passende Farbe dann als T-Shirt.
  4. Mich ärgert es schon, wenn ich z.B. meinen Thairock immer nur mit dem türkisen T-Shirt und braunem Blazer kombiniere (ja, vor dem Bild habe ich den Rock nur so oder noch mit dem beige Cardigan kombiniert). Ich hätte gerne mehr Möglichkeiten
  5. Der Schnitt muss jeweils körpernah, umspielend sein, nach unten hin auf jeden Fall nicht weiter. Ausschnitt ist egal. Besonders nett stelle ich mir ein Dirndlshirt vor, dass den Trachtencharakter noch mehr betont, auch wenn z.B. der Tulpenrock ja gar nicht trachtig aussieht.
  6. Welche Farbe? Jetzt wird es knifflig: die drei Röcke sind farblich so unterschiedlich. Außer weiß (trage ich ungern) habe ich bisher keinen gemeinsamen Kombipartner gefunden. Vielleicht bin ich hier nicht so streng und sage, ich suche für jeden Rock jeweils eine Farbe raus und mit hoher Wahrscheinlichkeit kann man diese dann auch mit der Latzhose und fast allen anderen Röcken/Hosen kombinieren. Für den Tulpenrock hätte ich gerne Creme, ein Rosa, was ich noch nicht greifen kann oder ein helles Grün. Vielleicht lässt sich eins davon ja dann auch mit dem Trachtenrock kombinieren. Für den Thairock hätte ich gerne genau das helle Braun und das dunkle Türkis. Für den Trachtenrock gerne ein Altrosa passend zum Saum und/oder genau das dunkle Grün aus der Passe.
  7. Im Idealfall in jeder der oben genannten Farben je ein kurzarm Trachtenshirt und ein einfaches Langarmshirt. Vielleicht ja auch eine kurzarm oder ärmellose Bluse dazwischen.
  8. erledigt, kommt dann in Vorhaben 2021
  9. da bin ich dabei. Als erstes wird erst genäht, was vorhanden ist und sich sinnvoll in meiner Capsule Wardrobe einbringt. Wenn diese vernäht sind, darf ich projektbezogen Stoff kaufen.
  10. Ich hätte da noch Jersey mit tollen Mustern – wirklich hübsch, aber ich könnte solche T-Shirts nur mit unifarbenen Röcken/Hosen tragen und das find ich doof, dann mit denen kann ich eh schon fast alles tragen. Also kommen diese Stoffe weg oder werden für Kinder o.ä. vernäht (zur Seite gelegt).

Das Ganze wiederhole ich nun noch mit den Cardigans und stelle fest: weinrot, beige (aber nicht unbedingt mein Schnitt), petrol und braun sind gute Kombipartner, aber ich vermisse meine Basisfarbe grün! Aber für diese habe ich tatsächlich auch schon vor einem Jahr einen tollen Wollstoff gefunden, ich muss meine Alegra nur noch nähen…

Nun kommen die Schwerpunktteile dran: Hast du bei 1. schon einen Mangel festgelegt? Oder ist es nur die Lust auf einen neuen Schnitt? Lust auf einen anderen Stil? Lust auf eine andere Stoffart oder Farbe?
Egal, was es wird, behalte deine Kombipartner im Hinterkopf. Dein neu genähtes Kleidungsstück sollte sich mit mindestens einer Handvoll Kombipartnern kombinieren lassen. Die genaue Anzahl bestimmst natürlich du!

ich habe den Mangel “Kurze Hosen” festgestellt. Ja, ich meinte mal, mir stehen Röcke besser, ich brauch keine (kurzen) Hosen. Aber für manche Aktivitäten finde ich kurze Hosen doch praktischer und bei scheuernden Oberschenkeln greife ich natürlich lieber zu kurze Hosen. Es soll eine schlichte Leinenhose werden. Ich liebe diese Stoffart, ganz besonders im Sommer. Ein fester Leinen hält auch lange und ist robust. In einer meiner Basisfarben lässt sich diese Hose auch gut kombinieren. Ich schaue in meinen Stoffschrank und finde einen uralten Leinenstoff meiner Mutter mit feinen Linien in Naturfarben. Perfekt. Falls mir eine kurze Leinenhose nicht reichen sollte, könnte ich noch eine braune, grüne oder altrosafarbene (was ist nur mit mir passiert??) gut vorstellen.

Ich möchte gerne noch einen edlen, warmen Rock. Einen Lodenrock. Hier habe ich allerdings letztes Jahr schon einen tollen grünen, feinen Lodenstoff in Würzburg gekauft. Ich lege alle Oberteile zu dem Stoff und stelle fest: dieser Rock wird sich mit fast allen Oberteilen kombinieren lassen und ist damit eine wunderschöne Ergänzung für meine Capsule Wardrobe.

Im Stoffschrank finde ich noch einen weiteren, etwas sonderbaren Stoff mit viel Muster aus einem Stoffladen in Rom. Ich lege spontan Blusenstoffe aus meinem Vorrat dazu und sehe, sie ergänzen sich ideal. Auch von meinen vorhandenen Oberteilen passen erstaunlich viele zu diesem Stoff. Einen Rock oder ein Kleid möchte ich hieraus aber nicht nähen. Eine weitere lange Hose würde meine Garderobe aber gut ergänzen. Ich nehme mein Arenite Pants Schnittmuster mit Taschenhack (wie bei der grünen Arenite Pants aus Leinen) und lege es auf den Stoff – mit etwas Stückelung reicht es. Wunderbar. Das wird eine Arenite Pants.

Wenn ich auf meine Kleidung blicke, stelle ich fest: ich habe fast keine Kleider mehr. Die letzten habe ich wegen der Rockkürze inzwischen hinausgeworfen (ok, ich trage sie wegen Mangel an Ersatz im Verborgenen zuhause). Hier muss ich etwas ändern. Einen tollen Schnitt habe ich mir hierfür letztes Jahr schon gekauft, ich fische nach weiteren Schnittideen. Ich gehe meine Stoffe durch. Irgendwie werden nur grüne Kleider entstehen. Ich werde Stoff für Kleider im Frühling/Sommer kaufen müssen. Aber die ausgewählten Schnitte werden erst einmal mit dem vorhandenen Stoffen genäht.

Was ich mir nun genau vorgenommen habe im Jahr 2021 zu nähen, erfährst du in meinem nächsten Blogpost. Den muss ich jetzt nämlich wieder anpassen und endlich meine letzten Zeichnungen dafür zeichnen. Das Blogpost soll nämlich hübsch werden.

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2 Responses to Teil 1: Meine Capsule Wardrobe und das Nähen

  1. made with Blümchen 7. Februar 2021 at 6:05 #

    Liebe Maria, die Antwort ist ganz klar: Nähe, was Du noch als Ergänzung für die Capsule Wardrobe benötigst. Stoffabbau betreiben (wenn Du das möchtest)kannst Du auch, indem Du Stoffe, die Dir nicht mehr gefallen, weitergibst.
    Deine Geschichte klingt sehr ähnlich wie meine, wir haben uns ja ungefähr zur gleichen Zeit zum ersten Mal mit unserem Kleiderschrank beschäftigt, nicht wahr? Auch mein Kleiderschrank hat sich in den letzten vier Jahren radikal geändert, nur an Hosen mangelt’s noch. Und auch ich habe mir dieses Jahr wieder den Schwerpunkt “Garderobe” gesetzt. Zeitgleich. 🙂

    Die Kombinationsfotos finde ich eine tolle Idee, die werde ich mir klauen! Woher stammen die Fragen, die Du beantwortest?

    Gleich weiterlesen beim nächsten Blogpost, bin gespannt! Liebe Grüße, Gabi

    • Maria 11. Februar 2021 at 13:31 #

      Ja, es gibt tolle Zufälle, oder nicht? 🙂 Vielleicht bedingt es sich ja, dass man das nach 4 Jahren einfach nochmal durchdenkt und anpasst?

      Die Fragen sind aus meinem Kopf 😀 Ich finde es immer hilfreich, sie dann ab und auch aufzuschreiben.

      Liebe Grüße zurück,
      Maria

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